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Thema: Warum gibt es drei Eurasier Vereine im VDH
Beitrag Xaja vom Montag, Juni 20, 2005 (Auszug)
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- Gaaaaanz scheue Frage: Was ist mit den 3 Verbänden in D? Gibt es zwischen den gezüchteten Hunden Unterschiede oder Präferenzen, oder sind es einfach die sozialen Vorlieben der Menschen?
Ich hoffe, hier viel über diese tolle Rasse zu erfahren!
Viele liebe Grüsse, Xaja
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Beitrag Ellen Conzelmann, Donnerstag, Juni 30, 2005
Hallo Xaja,
um zu verstehen, weshalb es drei Eurasier Vereine im VDH gibt, muss man sich mit der Entstehungsgeschichte der Eurasier näher beschäftigen.
Die ausführliche Geschichte des Eurasiers, geschrieben von Alfred Müller (ZG), kann auf der Homepage der ZG gelesen werden und sie bietet eine Fülle an Informationen: Die Geschichte des Eurasiers
In der Entwicklungsgeschichte des Eurasiers spielten drei Personen eine entscheidende Rolle:
Konrad Lorenz - in dessen Haushalt die nicht beabsichtigte Verbindung zwischen seinem Schäferhund mit der Chow Hündin seiner Frau eine reizvolle Mischlingshündin namens Stasi hervorbrachte, die Anfang 1940 geboren wurde. Konrad Lorenz sinnierte daraufhin über die Verbindung zwischen "Lupus" und "Aureus" Hunden. Konrad Lorenz erfuhr aber erst vom Eurasier im Jahr 1972 und war so begeistert, dass er sich bei Charlotte Baldamus seine "Nanette vom Jägerhof" abholte.
Julius Wipfel - der Gründer der Rasse Eurasier, auch "Vater des Eurasiers" genannt, der gemeinsam mit Charlotte Baldamus und einigen anderen Enthusiasten die Rasse Eurasier entwickelte
Charlotte Baldamus - die mit ihrem Jägerhofzwinger (ZG) entscheidend zur Entwicklung des Eurasiers beigetragen hat.
Wenn Julius Wipfel als der Vater der Eurasier bezeichnet wird, dann ist für mich Charlotte Baldamus die "Mutter" dieser Hunderasse. Sie war von Anfang an dabei. Nach ca.12 Jahren gemeinsamer Arbeit trennte sich Charlotte Baldamus von Julius Wipfel und gründete mit einigen anderen Enthusiasten die ZG. Weitere Meinungsverschiedenheiten im EKW führten dazu, dass Julius Wipfel sich auch von diesem Verein trennte und mit einigen Getreuen die KZG gründete. Wenige Jahre später verließ Julius Wipfel auch die KZG und gründete einen vierten Verein, der aber die VDH-Anerkennung nicht erhielt.
Innerhalb der ZG bin ich mit der Arbeit unserer Zuchtleitung mehr als zufrieden. Viele der Zucht-Verantwortlichen wurden noch persönlich durch Frau Baldamus ausgebildet: "Lernen, Verantwortung tragen, keine faulen Kompromisse eingehen und immer das Zuchtziel vor Augen behalten" war dabei ihr Leitsatz und ist es auch heute noch. Eine zentral gelenkte Zucht mit einer erfahrenen Zuchtleitung hat entscheidende Vorteile. So werden in unserer ZG bei einer Zuchtplanung nicht nur die Daten der direkten Vorfahren wie Mutter, Vater, Großmütter und Großväter, Urgroßväter und Urgroßmütter, etc. berücksichtigt, sondern es werden auch die Daten der entsprechenden Geschwister, Tanten, Onkeln, Großtanten und Großonkeln, etc. mit einbezogen. Auch die Daten der Nachzucht sind von großem Interesse. Berücksichtigt werden nicht nur die Ergebnisse der geforderten gesundheitlichen Untersuchungen durch einen Tierarzt für HD, Patella, Augen, TLI-Werte, etc., sondern viele, viele andere Dinge mehr. Hier gehen z.B. auch die Ergebnisse der Erstbesichtigungen in den ersten Lebenstagen ein, die Daten der Wurfabnahme, der späteren Ankörung, Angaben über Pigment, Fellfarbe, Vermessungsergebnisse, Charakter, etc., etc., sowie alles, was wir über unsere Eurasier im Laufe eines Lebens so erfahren, findet hier Berücksichtigung. Dabei ist die Mithilfe eines jeden ZG Eurasierbesitzers gefragt, und wir hoffen und wünschen, dass gesundheitliche Probleme dem Züchter, Zuchtwart und/oder der Zuchtleitung auch mitgeteilt werden. Erkrankungen und gewisse Dispositionen möchte man natürlich aus der Population heraus halten. So werden Merkmalträger und auch "Vererber" von der Zucht ausgeschlossen, aber das alleine reicht nicht. Zusätzlich schaut unsere Zuchtleitung bei geplanten Verpaarungen in die weit verzweigte Verwandtschaft (deshalb hätten wir gerne die Daten ALLER von uns erzüchteten Eurasier!) um auch auf diese Weise eventuelle "Risiken" auszuschließen. Die praktische Erfahrung dieser Vorgehensweise in den vergangenen Jahrzehnten untermauert dieses Verfahren.
Züchten ohne materielle Interessen und nicht durch Eigeninteressen geprägt, ist nicht die Sache von Jedermann, aber ich sehe darin die Chance diese wundervolle Rasse Eurasier zu erhalten. Negativbeispiele sind im In- und Ausland zu finden. Auch gefällt mir persönlich sehr, dass unsere Zuchtordnung das Wohl von Hündin und Welpen im Auge behält und z.B. vorschreibt, dass eine Hündin nicht vor dem vollendeten 2. Lebensjahr zur Zucht eingesetzt werden darf, also erst wenn sie körperlich und charakterlich "ausgereift" ist. Sehr positiv finde ich auch, dass man der Hündin ausreichende Pausen gönnt, dass insbesondere bei einem größeren Wurf von mehr als 6 Welpen sogar noch längere Pausen vorgeschrieben sind. Ich persönlich fühle mich in der ZG auch deshalb wohl, weil ich hier noch immer gut beraten worden bin.
Ich würde gerne jedem Eurasier Interessenten in Deutschland raten, sich an einen Eurasier Verein im VDH zu wenden, also ZG, EKW und KZG. Es ist sinnvoll sich nähere Informationen beim jeweiligen Verein einzuholen, an einem Treffen teilzunehmen, sich durch die Welpenvermittlung die Adresse eines Eurasierbesitzers in der Nähe geben zu lassen um einen Eurasier in natura in seinem Heim und bei einem ganz normalen Spaziergang zu erleben, etc. Zuchtordnungen und Satzungen kann man auch einmal studieren und vergleichen. Auch würde ich mich danach erkundigen, was die jeweiligen Vereine von ihren Mitgliedern erwarten? Welche Anforderungen werden gestellt - an die Mitglieder, aber auch an die Züchter?
Tut man das, so wird man ein paar Unterschiede zwischen den Vereinen feststellen, man wird aber auch erkennen, dass es sehr viele Dinge gibt, die allen drei Vereinen gleichermaßen wichtig sind. Es gibt ein gemeinsames Fundament. Es ist an uns allen, das inzwischen entstandene Gebäude auf diesem Fundament stabil für alle weiter zu bauen.
Ich sehe im übrigen sogar einen Vorteil darin, dass es drei verschiedene Vereine gibt: Wir Menschen sind alle verschieden, und so findet sich wohl für jeden echten Eurasierinteressenten auch der passende Verein. Auch aus genetischer Sicht lassen sich durch die Aufsplitterung in drei engagierte Vereine Vorteile für die Rasse Eurasier sehen.
Was das optische Erscheinungsbild angeht, so schreibt Alfred Müller: "Bei der ersten, noch zaghaften Kontaktaufnahme während einem 1986 einberufenen "Eurasier-Symposium" aller drei deutschen Eurasierklubs, bei dem auch eine Auswahl Zuchttiere aus den drei Vereinen vorgestellt wurden, konstatierte Wipfel mit sichtlicher Zufriedenheit: "Es war nicht sehr schädlich, dass sich die Wege trennten". Das typische Erscheinungsbild des Eurasiers war bei aller Vielfalt der Zuchtrichtungen gewahrt geblieben." siehe Zum Gedenken an Julius Wipfel..
Mit vielen Grüßen
Ellen Conzelmann