Welpenschule

Der Beginn einer vertrauensvollen Beziehung zwischen Mensch und Hund

 

(Autoren: Silke Bergener und Manuela Lotz © 2011 B/L)

 

Warum ist der Besuch einer Welpenprägungsspielstunde
oder einer seriösen Welpenschule zu empfehlen?

Weil sie die Mensch-Hund-Beziehung fördert.

Die Zuchtleitung der Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V. (Z.G) hat sorgfältig eine Verpaarung geplant.

Hündin und Züchterfamilie haben sich in den folgenden acht Wochen intensiv und liebevoll um die Welpen gekümmert. Die Welpen wurden an die verschiedensten Umweltreize herangeführt. Durch ihre Mutter und Wurfgeschwister haben sie die ersten Lernerfahrungen in hündischem Sozialverhalten gesammelt. Diese Entwicklung wird durch die Übergabe an den neuen Hundebesitzer zunächst einmal unterbrochen.

So kann eine vertrauensvolle Mensch-Hund-Beziehung entstehen:

Für den Hundehalter ist es wichtig zu wissen, dass „Welpen" bis zum Alter von acht bis zehn Wochen kaum größere Exkursionen unternehmen können und sollten. Der Hundebesitzer sollte den kleinen Welpen mit unterschiedlichen Reizen zu Hause oder in der nächsten Umgebung der Wohnung bekannt machen. Diese neuen Eindrücke sollten weder zu intensiv sein noch zu lange andauern; sie sollten so dosiert werden, dass der Welpe weder über- noch unterfordert wird. Solange der Welpe noch spielt und beim Spaziergang froh gelaunt und nicht müde ist, ist er nicht überfordert. Setzt oder legt er sich aber häufig hin, ist es ihm schon zu viel und er sollte zuhause zur Ruhe kommen können.

Lange Spaziergänge sind sowohl verhaltensbiologisch als auch orthopädisch in jedem Fall abzulehnen. Der Hundebesitzer sollte sich viel Zeit nehmen, so dass der kleine Welpe den Umgang mit uns Menschen mit angenehmen Gefühlen verbindet. Er lernt, wem er vertrauen kann, wer für ihn sorgt, wem zu folgen sich lohnt.

Was der neue Besitzer seinem Welpen nur schwer bieten kann, ist das Spiel mit Gleichaltrigen. Dafür bietet sich eine gutgeführte Welpenspielgruppe in einer seriösen Welpenschule an. Hier trifft der Welpe auf gleichaltrige Artgenossen, kann seine geistige und motorische Entwicklung fördern, sein Selbstbewusstsein und seine Umweltsicherheit stärken. Hierzu gehört auch, den Umgang mit verschiedenen Hunderassen kennen zu lernen.

Woran erkennt man eine gutgeführte Welpen-Prägungsspielstunde?

Es gibt verschiedene Bezeichnungen: Welpenspielgruppe, Prägungsspieltage, Welpen- Kindergarten Welpenschule. Welpen- Prägungs-Spieltage Lernspiel-Concept Narewski.

Außerdem unterscheidet man zwei Arten von organisierten W-Gruppen.

Einmal die geschlossene W-Gruppe: wo die Welpen bis zur 16./17. Woche zusammen bleiben mit ihren Teilnehmern.

Die offene W-Gruppe bedeutet: Hier werden neue Welpen jederzeit integriert.

Grundsätzlich sollten in einer Welpengruppe wirklich nur Welpen miteinander Kontakt haben, also Hundekinder im Alter von 8 bis 16/17 Wochen.

Ab der 16./17. Woche werden die Hunde als Junghunde bezeichnet und in einer anderen entsprechenden Gruppe zusammengeführt.
Die beste Gruppengröße wäre 6-8 Welpen mit ihren Menschen. Im Idealfall begleiten zwei kompetente Trainer die Welpenstunden, machen die Hundebesitzer auf die Körpersprache und Kommunikationssignale der Hunde aufmerksam und erläutern auch, warum und in welchen Situationen sie gezeigt werden.

In der Welpenspielstunde kann der Welpe die Körpersprache von Hunden verschiedener Rassen kennen lernen.

Optimal wäre es, wenn mehrere Welpengruppen parallel geführt werden, um mit einem Welpen in eine andere Gruppe wechseln zu können, sollte er durch sein Verhalten anzeigen, dass er sich schneller entwickelt hat als der Rest der Gruppe.

Die Spielstunden sollten so gestaltet sein, dass die Welpen immer überwacht werden. Sie sollten kontrolliert miteinander spielen, ohne dass jemand untergebuttert oder zum Opfer eines Jagdspieles wird.

Der Satz „Welpen machen alles untereinander aus", stimmt so eben nicht. Die Kleinen brauchen durchaus Kontrolle und Einwirken von außen.

In gut geführten Welpengruppen werden die Welpen behutsam und spielerisch mit verschiedensten Reizen (optischen, akustischen, taktilen und geruchlichen) konfrontiert. So wird der kleine Welpe an verschiedene Umweltreize und kleinere Hindernisse gewöhnt. Dadurch wird sein Selbstbewusstsein gestärkt und seine Motorik gefördert.

Die Reize sorgen aber auch dafür, dass der Welpe lernt, sich auch in Anwesenheit von Spielgefährten und neben Spielgeräten auf seinen Menschen zu konzentrieren.

Es gibt Ausnahmen!!!

Welpen sollten, wie schon gesagt, nur unter ihresgleichen sein. Trotzdem kann die Anwesenheit eines gut sozialisierten, welpengewohnten und welpenfreundlichen Althundes sehr von Vorteil sein.

Sozialisation – Entwicklungsprozesse – Bindung – Beratung des Besitzers – Empfehlungen

Sozialverhalten bzw. Kommunikation verfeinern

Welpen werden nicht mit einem perfekt funktionierenden Sozialverhalten geboren. Nach der Geburt sind sie lediglich mit den Anlagen zum Erlernen dieses Verhaltens ausgestattet. Das setzt nun voraus, dass man ihnen diese Lernerfahrungen auch ermöglicht.

Fremdsprachen lernen

Unterschiedliche Rassen unterscheiden sich nicht nur in Größe und Aussehen etc. Sie unterscheiden sich auch in ihrem Verhalten sowie in ihren Ausdrucksmöglichkeiten und -formen

Welpen unterschiedlicher Körpergröße im Spiel vereint?

Die Welpen sollten normalerweise nach Größe, Temperament und Spielverhalten einigermaßen zu einander passen. Ein wirkliches Spiel ist zwischen kleinwüchsigen und großwüchsigen Welpen meist nicht möglich. Stimmen die Größen- und Kräfteverhältnisse nicht überein, so entsteht statt Spiel nur Abwehrverhalten, das sich bis zu dauerhaftem Aggressionsverhalten bestimmten Artgenossen gegenüber festsetzen kann.

Aber es gibt Ausnahmen: Handelt es sich um einen feinfühligen, ruhigen großen Welpen, kann er durchaus in eine Gruppen mit kleinen Welpen integriert werden. Das gleiche gilt für einen temperamentvollen, durchsetzungsfähigen kleinen Welpen, z.B. diverse Klein-Terrier-Rassen. Sie kommen in der Regel auch in gemischten Gruppen sehr gut zurecht.

Auf diese Weise lernen die Hunde in der Welpenspielgruppe unter Aufsicht eines erfahrenen und kompetenten Trainers, wie sie miteinander entspannt und freudig spielen können.

Unterschiedliche Menschen kennenlernen

Fester Bestandteil einer gut geführten Welpenspielstunde sind gezielte Übungen mit verschiedensten Menschen, bei denen der Welpe jeden von ihnen als vertrauenswürdig und nicht als bedrohlich erlebt.

Die Bindung des Welpen an seinen Besitzer wird gefördert

Gemeinsam schwierige Situationen durchzustehen, fördert die Bindung zwischen Hund und Mensch. Bindung wird aber nicht nur über engen Körperkontakt, Schmusen und gemeinsames Spielen aufgebaut, sondern auch darüber, dass man mit seinem Welpen Abenteuer besteht und ihm etwas beibringt.

Praktische Gehorsamsübungen

Die Vorstellung, dass die Erziehung eines Hundes im Alter von einem Jahr beginnen sollte, geistert auch heute noch in den Köpfen vieler Hundehalter herum.

Mittlerweile weiß man aber, dass schon sehr früh mit ersten Übungen begonnen werden sollte, natürlich auf „Baby- bzw. Kindergartenniveau", also beispielsweise angepasst an das Konzentrationsvermögen der Welpen. So lässt sich das von der Natur vorgegebene, ungeheure Lernvermögen des jungen Hundes nutzen. Nie wieder werden sich ihm die Dinge so tief einprägen wie in der Zeit bis zur 16./17. Woche.

In einer guten Welpenspielstunde wird das Spielen der Hunde untereinander oder mit ihren Besitzern durch kurze Pausen unterbrochen, in denen dann eine Übung gemacht wird. Zunächst sollte der Trainer das Prinzip der Übung erklären und sie praktisch vorführen. Danach haben die Welpenbesitzer dann die Möglichkeit, unter Anleitung und Aufsicht des Trainers diese Übung auszuprobieren.

Pro Spielstunde sollten etwa 1 – 2 praktische Übungen durchgeführt werden, möglichst nicht mehr, um weder Welpen noch Besitzer zu überfordern.

Diese kurzen Übungseinheiten haben mehrere Vorteile:

- sie überfordern die Welpen nicht in ihrer Konzentrationsfähigkeit,
- sie erinnern den Hund daran, dass er mit seinem Menschen zusammen in der Spielstunde ist und man auch etwas zusammen erlebt,
- sie kühlen die eventuell im Spielrausch überdrehten Welpen wieder etwas ab,
- der Welpe lernt, dass er trotz massiver Ablenkung durch die Anwesenheit von Spielgefährten sich auf seinen Menschen konzentrieren und Kommandos befolgen kann,
- die Besitzer erhalten eine kompetente Anleitung für zu Hause.
- sie lernen unter Anleitung eines Trainers nicht nur, ihren Hund zu verstehen, sondern auch, sich ihm besser verständlich zu machen.

Beratung des Besitzers

Eine gute Welpenspielstunde bietet dem Besitzer die Möglichkeit, sich Rat in allen Fragen rund um den Hund zu holen. Zusätzlich kann er sich mit den anderen Welpenbesitzern austauschen.

Aber !!! : Die Welpenspielgruppe ist keine "Dauerplauderkaffeestunde"
für Hundebesitzer.

Eine gute Welpenspielstunde zeichnet sich aus durch eine lockere, entspannte Atmosphäre, obwohl der Trainer das Spiel der Welpen-Gruppe jederzeit kontrolliert und im Griff hat. Man sieht fröhliche Hunde und gut gelaunte Besitzer, die mit ihren eigenen und den anderen Hunden herumtollen und Abenteuer bestehen.

Es sollten kein Leistungsdruck, kein Mobbing, weder unter den Hunden noch unter den Menschen herrschen und auch nicht bestimmte Rassen ausgegrenzt bzw. diffamiert werden

Empfehlung

Besuchen Sie ruhig verschiedene Anbieter von Welpenspielstunden, bevor der Welpe bei Ihnen einzieht und machen Sie sich ein eigenes Bild. Wo ihre Fragen beantwortet werden, wo Sie Tipps bekommen und der Trainer Ihnen gegenüber seine fachliche Kompetenz nicht nur behauptet, sondern auch nachweisen kann, da sind Sie gut aufgehoben. Bedenken Sie, Hundetrainer ist kein geschützter Beruf in Deutschland.

Nach Ankunft des Welpen sollten Sie so früh wie möglich in die Welpengruppe gehen, aber natürlich erst, wenn der Welpe sich eingelebt bzw. sich schon ein wenig an Sie gebunden hat. Dies sollte in der Regel nach drei bis vier Tagen der Fall sein.

Die erste Grundimpfung, die normalerweise schon beim Züchter in der 8. Woche verabreicht wurde, muss absolviert sein. Dies sollte der Trainer in jedem Fall auch bei allen anwesenden Hunden überprüft haben.

 

 

Quellen:

"Spielend vom Welpen zum Hund" D. Berlowitz u. H. Weidt
Schweizer Hundemagazin Sonderdruck Nr. 1
3. aktualisierte Auflage, 2010

"Mit Hunden leben" U. Gansloßer
Filander Verlag, 2. Auflage, 2011

"Was ein Welpe lernen muss" A. Lanzerath
Müller Rüschlikon Verlag, 1. Auflage, 2009

„Welpen brauchen Prägungsspieltage" U. Narewski
Verlagshaus Reutlingen Oertel und Spörer,
3. vollständig überarbeitete Auflage, 2002

"Welpenspielstunde" G. Niepel
Müller Rüschlikon Verlag, 1. Auflage, 2011

"Welpenkindergarten" S. Winkler
Kosmos Verlag GmbH, 2008