| Eurasier - Rassehund - Familienhund |
Leserbrief Anne Hock-Heckelmann vom 09.01.2004
Thema: Anfrage zur Haltung von mehreren gleichgeschlechtlichen Hunden/Eurasiern
E-mail: ahh@hhdesign.de
Gibt es in der Zuchtgemeinschaft Erfahrungen zur Haltung mehrerer gleichgeschlechtlicher Eurasier bzw. einem Eurasier mit anderen Rassen des gleichen Geschlechts? Konkret: Unser Ist-Zustand: Westie 8 Jahre weiblich, Tibet Terrier 4 Jahre weiblich + Eurasier weiblich (geplant).....
Herzlichen Gruß
Anne Hock-H.
Antwort: Christa Stuhr (ZG-Welpenvermittlung) vom 12.01.2004
Hallo Frau Hock-Heckelmann,
ich hatte zeitweilig 4 Eurasier-Hündinnen, allerdings - und ich glaube das ist sehr wichtig - waren alle direkt miteinander verwandt (Ur-Großmutter, Großmutter, Mutter, Tochter) und damit von der ersten Minute an zusammen. Die Hierarchie war also "gewachsen" und nicht "aufgepfropft". In den ersten 14 Tagen des jeweiligen Wurfes durfte keines der übrigen Mädchen an das Wurflager. Ich erinnere mich an einen Vorfall, als eine ältere Hündin die Welpen zu adoptieren versuchte, was zu heftiger Gegenwehr der Mutterhündin führte und mich für alle Zeiten "schlau" machte, das Rudel räumlich zu trennen.. Nachdem die Welpen größer waren und den Garten erkundeten lief alles prima - aber ich bin immer wachsam geblieben. Ohne Welpen im Haus gab es übrigens nie Probleme. In Ihrem speziellen Fall gebe ich zu bedenken, dass Ihre Hündinnen seit langem zusammen und aneinander gewöhnt sind. Ob daher eine dritte junge Eurasierhündin Probleme bereitet (bspw. Überreaktionen aus Eifersucht) ist schwer vorherzusagen und sicher auch eine Frage des Fingerspitzengefühls der Menschen. So ganz wohl ist mir dabei allerdings nicht und ich würde daher eher zu einem Rüden raten.
Christa Stuhr
Antwort: Elke Schäfer (ZG-Geschäftsführerin) vom 15.01.2004
Sehr geehrte Frau Hock - Heckelmann,
die Ratschläge von Frau Stuhr kann ich voll unterstützen. Ich habe Erfahrungen mit zwei weiblichen Hundepaaren.
Fall 1: Mutter (Briska) und Tochter (Dea), Altersunterschied 6 Jahre. Ziemlich genau 6 Jahre lang war es das reinste Hundeidyll. Die Mutter hat die Kleine perfekt erzogen. Dass man nichts vom Tisch oder aus dem Einkaufskorb stehlen darf, hat die Mutter dem Welpen so drastisch beigebracht, wie ich es nie gekonnt hätte (der arme Welpe!!). Auch die Grenzen des nicht eingezäunten Grundstückes wurden nachdrücklich eingebläut. Mutter und Tochter waren ein Herz und eine Seele, eine konnte nicht ohne die andere sein. Nach 6 Jahren war diese Harmonie leider vorbei, jetzt meinte die Tochter, dass es an der Zeit sei, die Chefin zu spielen, aber die Mutter - eine sehr dominante Hündin - war nicht bereit, nachzugeben und so kam es zu einigen schlimmen Beißereien. Wir konnten es z.B. nicht mehr wagen, beide Hündinnen zusammen im Hotelzimmer zurückzulassen. Waren wir außer Haus, haben wir sie getrennt gehalten, wenn wir dabei waren, haben sie sich meistens vertragen, aber es kam doch immer wieder zu Attacken, die von der Jüngeren angezettelt wurden. Trotz dieser Aufregungen ist Briska 16 Jahre alt geworden.
Fall 2: Zu Dea kam Gora ins Haus. Altersunterschied 11 Jahre. Es hat 14 Tage gedauert, bis die alte Hündin den Welpen akzeptiert hat. Dann war der Welpe ein Jungbrunnen für Dea, die jetzt wieder viel mehr Bewegung hatte; es war eine Freude, die beiden rumtoben zu sehen. Sehr schnell stellte es sich aber heraus, dass Gora eine sehr dominante Hündin ist, und bereits nach gut einem Jahr fiel sie (ausgerechnet im Hotelzimmer) über die Alte her. Nach diesem einen Vorfall war aber lange Zeit Ruhe, denn die ältere Dea war bereit, nachzugeben. Sehr kritisch wurde es dann während der Trächtigkeiten und in der Zeit, in der Gora den Wurf aufzog. Da mussten beide Hündinnen streng getrennt werden. Die Alte hat auch keine Versuche der Annäherung gemacht und ist von sich aus Mutter und Welpen ausgewichen. Es kam dann hinterher noch einige Male zu Streitereien, aber zur Zeit herrscht Frieden. Die jetzt 16 1/2 Jahre alte Dea will nur ihre Ruhe haben und akzeptiert die Dominanz der jungen Hündin. Ähnliche Erfahrungen haben auch andere Vereinsmitglieder gemacht, es gibt aber auch durchaus die Fälle, in denen die Hündinnen sich sehr gut vertragen. In der Regel waren das dann aber Mutter und Tochter.
Elke Schäfer
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Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V.