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Thema: Scheinträchtigkeit
Leserbrief von Wolfgang Koch vom 18.01.2004
Sehr geehrte Damen und Herren
Meine 9-jährige Eurasierhündin wird regelmäßig 9 Wochen nach Ihrer Läufigkeit scheinträchtig. Bisher konnte ich weder von Tierärzten noch von Vereinen eine zufriedenstellende Erklärung für dieses Verhalten bekommen und würde mich daher über entsprechende Informationen aus dem Bereich Ihrer WebBesucher freuen.
Mit freundlichen Grüßen Wolfgang Koch, EKW
Antwort: Peter Conzelmann vom 20.01.2004
Scheinträchtigkeit: Verhalten, bestehend aus psychischen und physischen Veränderungen, die 4 bis 9 Wochen nach der Läufigkeit auftreten und zwei oder mehrere Wochen andauern. Das auffälligste Symptom ist das Anschwellen der Milchleisten mit leichtgradiger bis ausgeprägter Milchsekretion. Gleichzeitig können psychische Veränderungen von unterschiedlichem Ausmaß wie Nestbau, Verteidigen von Spielsachen, Aggressivität gegenüber dem Besitzer oder anderen Hunden, verminderte Lebhaftigkeit bis Apathie auftreten. (siehe auch: Hans G. Niemand / Peter F. Suter, Praktikum der Hundeklinik, 8. Auflage, Berlin 1994).
Ilse Sieber stoppt den Ablauf der Schweinträchtigkeit dadurch, dass der Hündin erstens das "Ersatzbaby" (Spielzeug etc.) weggenommen wird und sie ihr zweitens viel Bewegung, Abwechslung und etwas reduzierte Kost verabfolgt (aus: Hundezucht mit Liebe und Verstand, Weiden, 1984).
Dr. D. Fleig (Die Technik der Hundezucht) beschäftigt sich ausführlich mit der Scheinschwangerschaft und geht davon aus, dass ein vereinzeltes Auftreten kein Grund zur Beunruhigung ist ("ererbtes Regulativ"). Er rät allerdings - im Einklang mit Eberhard Trummler - solche Hündinnen aus der Zucht zu nehmen, bei denen die Scheinschwangerschaft häufig bzw. regelmäßig nach der Hitze auftritt, da er davon ausgeht, dass sich diese Übersteigerung vererbt. Ratschläge, solche Hündinnen decken zu lassen, lehnt er aus diesen Gründen als "grotesk" ab. Sollte es sich nicht um eine leichte und damit tolerierbare Scheinschwangerschaft handeln, deren geringgradige psyschische Veränderungen durch Ablenken (häufiges Spazierengehen, Wegräumen von Spielsachen) weitgehend unterdrückt werden können (Niemand/Suter), ist ein Gang zum Tierarzt unumgänglich. Er wird zunächst prüfen, ob eine Verabreichung von Medikamenten angebracht ist. Bei schwerwiegenden Verhaltens- und Gesundheitsstörungen der Hündin kann allerdings auch eine Ovariektomie (Entfernung der Eierstöcke) diskutiert werden.
Im Buch von Evans/White: "Die Hündin" findet sich eine ausführliche Abhandlung über das Thema Scheinschwangerschaft. Eine scheinträchtige Hündin zeigt alle Anzeichen einer Trächtigkeit, ohne jedoch Welpen zu haben. Die Ursache ist noch nicht klar erforscht. Bei Wildhunden oder Zuchtzwingern kann eine scheinträchtige Hündin sogar den Wurf einer Hündin aufziehen, die gestorben ist. Eigentlich eine wichtige Aufgabe. Scheinträchtig werden etwa 60 Prozent aller Hündinnen. Eine schwach ausgeprägte Scheinträchtigkeit sollte daher nicht behandelt werden. Geraten wird, die Pflegegegenstände wegzunehmen und der Hündin mehr Bewegung zu geben. Treten jedoch schwere Anzeichen auf, ist tierärztliche Hilfe notwendig. Bei ernsthafter Scheinschwangerschaft wird zur Kastration geraten, dies aber nur nach gründlicher Aufklärung und Beratung mit dem Tierarzt.
Antwort: Dorothe Kirchberger vom 02.02.2004
Ergänzung:
Als Grund für die Scheinträchtigkeit wird häufig genannt, dass im (Wolfs-) Rudel i.d.R. nur die Alphawölfin tragend wird, im Notfall aber die (scheinträchtigen) anderen Wölfinnen die Versorgung der Welpen problemlos übernehmen können. Die Scheinträchtigkeit der Hündinnen könnte ein Erbe der Wolfsahnen sein.
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