| Eurasier - Rassehund - Familienhund |
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Wozu in die Ferne schweifen? oder: Kleiner Hund auf großer Fahrt. von Dr. Gertraud Grabherr, ECA |
Bruno vom Sahlenburger Strand - 11 Wochen |
Jeder, der einmal lange Jahre einen geliebten Hund als Hausgenossen hatte, kann sich vorstellen, wie leer Haus und Garten plötzlich ohne ihn sind. Daher war auch für uns nach dem Tod unseres alten Eurasiers "Mutz" im Herbst klar: wir brauchen dringend wieder einen Hund - natürlich einen Eurasier. Etliche mails und Telefonate später war weiters klar: so einfach ist das nicht, alle Welpen in ganz Österreich (wir wohnen bei Wien) schon in festen Händen. Weihnachten ohne Hund? Unmöglich! Langsam erweitere ich meinen Aktionsradius: ein Wurf in der Schweiz? Schon vergeben. Ein Welpe in Brüssel? Leider nein. Da entdecke ich im Internet auf der homepage der Zuchtgemeinschaft einen Wurf in Cuxhaven "vom Sahlenburger Strand". Cuxhaven? Das ist ja quer durch Europa - fast 1000 km! Aber schließlich fährt man ja wegen 2 Wochen Urlaub auch an weit entfernte Strände, warum nicht an die Nordsee wegen einem Freund für viele Jahre? Also rufen wir doch wenigstens mal an und reden mit dem Züchter - und ein langes Telefongespräch später war schon einer der Rüden für uns vorgemerkt.
Aber wie kann man einem Welpen eine so lange Reise überhaupt zumuten? Mit dem Auto jedenfalls nicht, auch die Idee zu fliegen wurde gleich verworfen. Mir selbst wird beim Fliegen fürchterlich übel, wenn es dem Welpen auch so geht - nein danke. Also über Nacht mit der Bahn. Schnell war das Schlafwagenabteil gebucht und eine Transportbox besorgt, und dann begann das lange Warten bis zum Abgabetermin. Als es dann endlich so weit war, war ich hochgradig nervös. Wird er die Fahrt vertragen? Was tun, wenn der Kleine ununterbrochen jammert? Riskiere ich womöglich ein lebenslanges Trauma?

Aber wie so oft kam alles anders als man denkt. Eine Freundin aus der Nähe von Hannover hatte mich mit dem Auto nach Cuxhaven gebracht. Nach herzlichem Empfang durch die Züchterfamilie (und unfreundlichem durch die Mutterhündin, die schon Übles ahnte), einem netten Nachmittag und schließlich schwerem Abschied, setzte mir der Züchter im Auto den kleinen "Bruno" auf den Schoß, und los ging der erste Teil der großen Reise. Bruno dachte gar nicht daran, zu jammern, betrachtete sich zunächst interessiert die Scheibenwischer (es regnete in Strömen) und schlief dann einfach in meinen Armen ein. Nach einer Stunde Autofahrt machten wir zwei Stunden Pause im Haus meiner Freundin - Bruno war die Ruhe selbst, untersuchte interessiert die neue Umgebung und vermißte seine Geschwister offensichtlich nicht im mindesten. Dann ging es mit dem Taxi zum Bahnhof, wieder eine Stunde Fahrt, die Bruno einfach verschlief. Nun bewährte es sich, daß die Züchterfamilie die Welpen schon an das Brustgeschirr und auch ein bißchen an die Leine gewöhnt hatte: Bruno marschierte mit mir brav mitten in den Trubel des nächtlichen Hannoveraner Hauptbahnhofs und sorgte für erhebliches Aufsehen sogar der eiligen Fahrgäste: "Ist der süüüüüß!". Damit war dann allerdings sein erstaunlich guter Wille erschöpft. Wie ein Eselchen widerstand er allen Lockrufen meinerseits und blieb schließlich entschlossen sitzen. Der Zeitpunkt war gekommen, die Transportbox in Betrieb zu nehmen. Mit Leckerli vorn und Schieben hinten war er im Nu hineinbugsiert, auf den Bahnsteig und schließlich in den Zug geschleppt (man glaubt gar nicht, wie schwer so ein kleiner Hund sein kann!).
| Nun ging es daran, das Schlafwagenabteil "hundefest" auszustatten. Nachdem ich den ganzen Boden mit jeder Menge Zeitungen und überdimensionalen saugfähigen Betteinlagen ausgelegt hatte, fühlte ich mich für die Nacht gewappnet. Die Züchterin hatte die Welpen bereits daran gewöhnt, sich nachts in einer Ecke auf Zeitungspapier zu lösen und mir erzählt, daß das bei Bruno schon ganz gut geklappt hätte. Also öffnete ich die Transportbox, bot Bruno noch etwas Wasser an, was er allerdings verschmähte, und legte mich mit leichten Bedenken ins Bett. Bruno hatte inzwischen genug von mir und der ganzen Fahrerei, hatte sich zusammengerollt und machte keine Anstalten, die Box zu verlassen. Die Zugfahrt dauerte gut 8(!) Stunden. Bruno blieb eisern in der Box liegen, rührte sich nicht und gab keinen Mucks von sich. Nach Ankunft des Zuges beeilten wir uns dann allerdings sehr, auf ein Stück Wiese zu kommen, was Bruno auch dankbar ausnutzte. Schließlich war dann nach einer weiteren komplett problemlosen Stunde Autofahrt vom Bahnhof nach Hause unsere lange Reise überstanden - Bruno war daheim angekommen. |
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Was ist an Erfahrungen geblieben? Vielleicht ist Bruno ein besonders nervenstarker und gelassener Typ, sein Urvertrauen in die Menschheit wurde durch diese Gewalttour jedenfalls nicht im mindesten erschüttert. Er fährt nach wie vor gerne und problemlos Auto (Zug hat sich noch nicht wieder ergeben) und liebt erstaunlicherweise auch die Transportbox. Für ihn ist das keineswegs ein Gefängnis, sondern seine sichere Höhle, in der er sich gut aufgehoben fühlt und ohne weiteres auch allein auf mich wartet - bei geöffneter Tür. Außerdem hat sich Bruno extrem eng an mich als Bezugsperson angeschlossen, ganz auffällig viel enger als unser erster Eurasier, der seine Gunst viel gleichmäßiger in der Familie verteilt hatte - reisen bildet offenbar nicht nur, sondern verbindet auch. |
Viele Grüße an alle Eurasierfreunde
Dr. Gertraud Grabherr
Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V.