Die Notwendigkeit einer sorgfältigen Augenuntersuchung   

von Gisela Aach (30. Mai 2003)

(Vervielfältigungen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors)

 

Seit Beginn der regelmäßigen tierärztlichen Untersuchung als Voraussetzung zur Zuchttauglichkeitsprüfung (Körprüfung) gehört die Augenuntersuchung bei unseren ZG-Eurasiern zum Standard. Es traten seit 1963 gelegentliche Fälle von Entropium auf, mehr als zehn Jahre später wurde in seltenen Fällen Distichiasis diagnostiziert. Andere erbliche Augenerkrankungen sind uns bei unseren Eurasiern bis heute zum Glück noch nicht bekannt geworden.

Das Entropium, das "Einrollen" des Augenlides, ist auch vom Laien recht gut erkennbar, denn es führt in aller Regel zu erheblichen Beschwerden beim Hund: Tränen der Augen, Entzündung der Bindehaut und bei Nichtbehandlung auch zur Schädigung der Hornhaut. Durch einen chirurgischen Eingriff wird das Lid leicht gestrafft und der Hund so von seinen Beschwerden in der Regel dauerhaft befreit.

Schwieriger zu erkennen und zu behandeln ist die Distichiasis, eine "Fehlstellung von Haaren am Lidrand zum Auge hin". Diese Augenerkrankung verursacht in ihren leichteren Ausprägungen dem Hund keine oder kaum Beschwerden, gelegentlich tränende Augen können ja auch andere Ursachen haben. Erkannt wurde diese Erkrankung bis zum Beginn der 90er Jahre nur in klinischen Fällen, d.h. wenn wegen erheblicher Beschwerden die fehlgestellten Haare entfernt werden mussten, oder wenn per Zufall solche "Doppelbewimperung" festgestellt wurde. So galt Distichiasis als grundsätzlich zuchtausschließend.

Die in den letzten Jahren im tierärztlichen Bereich gemachten Fortschritte bei der ophtalmologischen Untersuchung der Hunde ( bessere Geräte, gezielte Ausbildung und besondere Beachtung dieser Erkrankung) haben uns zu der bitteren Erkenntnis "verholfen", dass ein Fünftel bis ein Drittel unserer Eurasierpopulation von dieser Augenerkrankung - zum großen Teil wohl unerkannt, weil beschwerdefrei - befallen ist. Welche der Ursprungsrassen des Eurasiers dafür verantwortlich zu machen ist, lässt sich nicht abschätzen, da einerseits die damals eingesetzten Tiere natürlich noch nicht in diesem Sinne "untersucht" wurden, zum anderen ist dieses Problem in Einzelfällen von allen drei Ursprungsrassen bekannt. Außerdem würde auch eine Zuordnung zu einer Ursprungsrasse an unserem heutigen Problem nichts ändern.

Zwei Dinge machen diese Erkrankung so schwer bekämpfbar:

1.    Viele, die meisten, der befallenen Eurasier sind absolut beschwerdefrei und nur der Fachmann/Ophtalmologe kann mit Hilfe von Spezialgeräten die Erkrankung feststellen.

2.    Die Distichien unterliegen wie alle Fellhaare auch dem Fellwechsel, d.h. evt. vorhandene Distichien können zum Zeitpunkt der Untersuchung gerade ausgefallen sein und später erneut wachsen. Zudem kann diese Krankheit auch in späteren Jahren noch auftreten, so dass eine einmalige Augenuntersuchung für diese Erkrankung auch nur einen Anhaltspunkt liefern kann.

Trotzdem ist diese Augenuntersuchung unsere einzige Chance, die Distichiasis züchterisch zu bekämpfen, denn es ist sicher, dass die Nachzucht von zwei befallenen Elterntieren mit großer Wahrscheinlichkeit (etwa 90%) auch Distichiasis hat, wohingegen kein allzu großer Unterschied besteht zwischen den Nachkommen von zwei Distichiasis-freien Tieren und den Nachkommen von Elterntieren, bei denen nur einer die Erkrankung aufweist. Hier liegt der Prozentsatz bei etwa 20% - 30%. Das liegt sicher auch an einem hohen Prozentsatz nicht erkannter Merkmalsträger.

Unser Zuchtausschuss hat schon Ende 1993 entsprechend diesen Erkenntnissen einer noch heute gültigen Übergangslösung zugestimmt:

Eine erhebliche Hilfe auf diesem Wege wären auch Augenuntersuchungen noch nicht untersuchter Eurasier (weil z.B. nie zur Körung vorgesehen...). Deshalb meine Bitte: Falls Sie Besitzer eines Eurasiers sind, der noch keine Augenuntersuchung hatte, und Sie aus irgendeinem Grund mit Ihrem Eurasier zum Tierarzt müssen, fragen Sie nach der Augenuntersuchung (ein Untersuchungsformular können Sie bei mir anfordern, auch per mail) und teilen Sie mir das Ergebnis bitte möglichst umgehend mit. (Gerne auch per mail, hängen Sie dann das Attest des Arztes bitte an!).

Auch bei einem Hund mit negativem Befund in der Jugend könnte in späteren Jahren diese Erkrankung noch festgestellt werden, bitte versäumen Sie nicht uns dies mitzuteilen. Nur wenn wir auch in diesem Bereich möglichst viele Informationen haben, können wir gezielt züchterisch die Distichiasis bekämpfen; ohne Ihre Mithilfe, liebe Eurasierbesitzer, kämpfen wir gegen Windmühlen.

Schon jetzt ein herzliches Dankeschön für Ihre Informationen.

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Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V.