Leben mit einem Eurasier-Pärchen oder was machen wir, wenn sie läufig wird   

von Dorothe Kirchberger (abgedruckt in den EN 2/2003)

(Vervielfältigungen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors)


Nachdem unser Gordon (von den Sander Tannen) langsam ein fast braver und häufig gut gehorchender Hund geworden war, also ungefähr 3 Jahre, nachdem er mit 12 Monaten zu uns gekommen war, fanden wir, dass wir etwas dafür tun mussten, dass bei uns wieder etwas mehr Trubel einkehrte.

Mit der Entscheidung, es diesmal mit einem Eurasierwelpen zu probieren, ist uns dies durchaus gelungen: Catla tat alles, um in unsere Familie hereinzuwachsen - und charmant wie so ein kleiner Eurasier-Welpe bekanntlich nun mal ist, gelang ihr das sehr schnell. Zwei Wochen verbrachte ihr Frauchen Ulla mit ihr gemeinsam auf ihrer Decke sitzend, spielend und schmusend, ohne dabei natürlich Gordon zu vergessen, der mindestens genauso viel schmusen musste und plötzlich wieder anfing, mit Hundebaby-Spielzeug zu spielen.

Unsere Hundespaziergänge waren für uns Menschen einfach schöner, weil wir jetzt nie mehr alleine zurückkehrten, sondern immer ein kleiner Hund mit uns zu Hause ankam (der Große hat mitunter unterwegs noch etwas zu tun und kommt dann oft etwas später heim). Kenner unserer Familie munkeln, wir hätten uns den zweiten Hund nur angeschafft, um nicht alleine spazieren gehen zu müssen. Das weisen wir aber empört von uns. Außerdem - wie gesagt - ist unser Gordon inzwischen fast ein braver Hund.
Gordon hatte sich nach geraumer Zeit nicht nur an Catla gewöhnt, sondern fing langsam an, sie auch zu mögen. Inzwischen spielen und schmusen beide herzerweichend miteinander, manchmal raufen sie auch recht heftig. Auf den Spaziergängen jagen sie gemeinsam virtuelle Häschen und Vögel - echte jagen sie ja nicht, sie sind ja Eurasier...

 
Spannend wurde es, als Catla nach gut 7 Monaten zum ersten Mal läufig wurde. Sie wurde immer selbstbewusster, hielt Gordon mit wachsender Begeisterung ihr Hinterteil zum Riechen hin und fing an, etwas mehr Oberwasser zu kriegen. Gordons Interesse an ihr sozusagen als Frau wuchs und mit den ersten Blutstropfen wurde die Sache für uns Menschen immer weniger schön. 

Der anfängliche Stolz - unsere Kleine wird schon erwachsen - wich einem dunklen Grauen, wie wohl die nächsten Wochen mit den berühmten krönenden Stehtagen werden würden. Sie wurden dann so, wie wir es befürchtet hatten: Gordon heulte, die Hunde durften 4 bis 5 Tage überhaupt nicht mehr zusammen, denn Gordon wusste, wie man als stolzer Rüde deckt ohne unnötige Zeit zu verlieren. Die Familie wurde zerrissen, keine gemeinsamen Hundespaziergänge, ein Hund fuhr mit zur Arbeit, einer blieb alleine zu Hause, die Abende wurden einsam - eine saß vor dem Fernseher im Erdgeschoss, die andere im Bett im ersten Stock - jeweils begleitet von einem unglücklichen Hund! Warum tut man sich das an?

Ganz einfach, weil nur drei oder vier Tage später das Glück wieder vollkommen ist - man vergisst ja so schnell. Die Hunde sind glücklich, dürfen wieder zusammen rennen und toben, die Menschen sprechen auch wieder miteinander (nicht nur durch die geschlossene Tür bzw. völlig abgenervt). 
Es ist doch wunderschön, ein Eurasierpärchen zu haben - oder?

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