
Hyperthermie - Achtung Lebensgefahr
von Gisela Aach und Peter Conzelmann
(Vervielfältigungen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Autoren)
"Hundstage" nennt man die heißesten Tage des Jahres, wobei die Bezeichnung auf die Stellung der Sonne im Sternbild "Großer Hund" zurückgeht und nicht auf unsere Eurasierhunde, die mit ihrem Pelzmantel in dieser Jahreszeit nicht gerade vorteilhaft ausgestattet sind. Hohe Temperaturen können für unsere Vierbeiner zur tödlichen Gefahr werden.
Als Hyperthermie bezeichnet man eine pathologische Erhöhung der Körpertemperatur, welche die üblichen physiologischen Tagesschwankungen überschreitet. Sie wird u.a. bei einer Wärmestauung, verursacht durch hohe Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit, starker körperlicher Anstrengung und Aufregung, verbunden mit zu geringer Wärmeabgabe, beobachtet. Siehe dazu auch Hans G. Niemand / Peter F. Suter: Praktikum der Hundeklinik.
Fehlt dem Eurasier Flüssigkeit und die Möglichkeit, sich abzukühlen, steigt die Körpertemperatur an. Der Vierbeiner wird unruhig, hechelt stark, reagiert nervös und/oder mit Erschöpfungserscheinungen. Ab 40 Grad Körpertemperatur sind dann meist deutliche Kreislaufbeschwerden zu bemerken. Um die äußeren Körperteile abzukühlen, pumpt das System Blut aus dem Körperinneren, was die Blutversorgung lebenswichtiger innerer Organe beeinträchtigt. Achtung, Schockzustand droht - und schließlich bei einer Körpertemperatur von über 43 Grad akute Lebensgefahr!
Die Regelung der Körpertemperatur erfolgt beim Hund durch Hecheln. Allerdings reicht diese Methode bei Temperaturen, die wir Menschen beim Sonnenbad möglicherweise noch gut aushalten, beim Hund nicht mehr aus - insbesondere dann, wenn wir den Hund dabei auch noch zum Spielen animieren. Auch in stickigen, schlecht belüfteten Räumen kann sich an heißen Tagen schnell eine Situation entwickeln, die für den Eurasier lebensbedrohlich werden kann.
Hunde suchen sich gerne ein schattiges Plätzchen, verlegen ihren Mittagsschlaf in kühlere Räume (Flur, Keller etc) oder nutzen die Kühle von Fliesen. Manche Eurasier lassen sich sogar gerne mit Wasser abspritzen oder abwaschen (Achtung nicht bei akutem Hitzeschlag!). Wichtig ist, dass man das natürliche Bedürfnis des Hundes nach Ruhe und Kühle respektiert und ihn bspw. nicht ausgrechnet in der Mittagszeit zum Jogging oder Laufen am Rad auffordert. Die kühleren Abendstunden sind dazu für Mensch und Hund ohnehin weitaus besser geeignet.
Das heiße Sommerwetter birgt für Hunde aber auch andere Gefahren: Der Straßenasphalt erhitzt sich in der Sonne so stark (Messungen ergaben eine Temperatur von bis zu 45°C bei nur 34°C im Schatten), dass sich Hunde die Pfoten verbrennen können. Auch Metallteile wie Gully-Deckel u.ä. können starke Verbrennungen hervorrufen.
Immer noch unterschätzt wird die Gefahrenquelle Auto: Innerhalb von wenigen Minuten können in Abhängigkeit von Standplatz und Farbe des Autos Temperaturen von über 60°C entstehen. Der schnelle Sprint an den Kiosk, bei dem man zufällig einen alten Bekannten trifft, kann für den Hund zu lang werden. Selbst ein im Schatten geparktes Fahrzeug kann auch bei geöffnetem Fenster zur tödlichen Falle werden. Wo "Schatten ist, ist auch Licht" - und dieses wandert mit dem Stand der Sonne!
Anzeichen für einen sich entwickelnden Hitzeschlag:
Die hier aufgeführten Merkmale können, müssen allerdings nicht alle und auch nicht in dieser Sequenz auftreten. Erste Anzeichen müssen für den Hundehalter ein Warnsignal sein.
Erste Hilfe im Notfall