Physiotherapie - optimale Ergänzung der Tiermedizin  

von Susanne Siebertz, Ilona von Treskow und Peter Conzelmann

(Vervielfältigungen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Autoren)

Der folgende Beitrag basiert auf einem Vortrag der Hundephysiotherapeuten Susanne Siebertz und Ilona von Treskow, gehalten am 04.06.05 in der Freizeitstätte Garath, Düsseldorf, auf Einladung von ANIMAL INFO.

Quellen und Hintergrundmaterial:    www.gangwerk.de

 

Physiotherapie auf den Hund gekommen?

"Beim Menschen ist die Physiotherapie zur Prävention, zur Rehabilitation und trainingsbegleitend unverzichtbar geworden. Auch bei unseren Tieren werden diese Behandlungsmethoden immer häufiger und erfolgreich eingesetzt. Im Vordergrund stehen dabei die Schmerzlinderung und die Erhaltung oder Wiederherstellung der Mobilität" (siehe www.gangwerk.de oder Verein für Tierphysiotherapie e.V.).

Bedeutung

Die Hundephysiotherapie ist eine Ergänzung der Tiermedizin und ist damit nicht losgelöst von einer tierärztlichen Behandlung zu verstehen, sondern stellt sich als begleitende und unterstützende Therapieform dar. Sie ist sowohl präventiv, rehabilitativ als auch trainingsbegleitend einzusetzen und gewinnt zunehmend an Bedeutung, da unsere heutigen Hunde eben nicht mehr wie ihre "Vorväter" und Ahnen leben, sondern bspw. mit Treppen, Asphaltwegen konfrontiert werden und auch nicht immer ein ausreichendes Bewegungsangebot erhalten.

Zielsetzung der Hundephysiotherapie

Einsatzgebiete

Die Hundephysiotherapie kommt im wesentlichen bei allen Erkrankungen des Bewegungsapparates zum Einsatz:

Behandlungsmethoden und Ablauf einer Therapie

Die Behandlungsmethoden basieren i.d.R. auf einer zielgerichteten und individuell abgestimmten Kombination unterschiedlicher Techniken und Verfahren. In erster Linie wird dabei mit den Händen gearbeitet (Massage, manuelle Therapie, Krankengymnastik, Lymphdrainage). Ergänzend kommen hinzu Thermotherapie, Hydrotherapie und die vielfältigen Möglichkeiten der physikalischen Therapie (TENS = Transkutane elektrische Nervenstimulation, Magnetfeld, Laser, Tiefenwärme mittels Ultraschall etc.).

Die Ermittlung der richtigen und damit erfolgversprechenden Kombination der Methoden sollte im Rahmen eines Erstgesprächs mit dem Hundehalter und auf Empfehlung des Tierarztes durchgeführt werden. Der Physiotherapeut wird bei diesem Gespräch alle wesentlichen Daten zusammentragen und sich ein umfassendes Bild von dem Hund, seiner Umgebung und Haltung machen und basierend auf diesem Gesamtbild den Behandlungsplan erstellen. Ein wichtiger Bestandteil des Erfolgs ist neben der eigentlichen Früherkennung eines Problems und der Behandlung in der Praxis die aktive Mitarbeit des Hundehalters während den Therapiesitzungen und auch als "Hausaufgabe" zuhause im normalen Umfeld des Hundes. Der Therapeut leitet den Hundebesitzer an, erläutert die unterschiedlichen Methoden und begleitet Mensch und Hund durch die gesamte Therapieserie.

 

Physiotherapie für Eurasier (von G. Aach)

Unsere Cita vom Lindenhof, Jahrgang 89, ein ziemlicher Spring-ins-Feld, zeigte im Alter von gut 2 Jahren plötzlich ein heftiges Hinken. - akuter Schmerz - Was war passiert: Bei einer schnellen 180°-Wendung im gepflügten Feld war sie mit dem Hinterlauf hängen geblieben. Als sich dieses "Hinken" auch am 2.Tag nicht besserte, sollte der Tierarzt aufgesucht werden. Aber wie das immer so ist, der reguläre Tierarzt war im Urlaub, die Vertretung nicht erreichbar und ein dritter Arzt diagnostizierte nach einer Röntgenuntersuchung und einigen anderen Untersuchungen schwere HD-Folgen, der Hund müsse sofort operiert werden……. Auf meine Intervention, es müsse wohl eher eine akute Sache sein, reagierte er unwillig mit Medikamentenverschreibung. Zwischenzeitlich beschloss Cita, sie müsse eigentlich gar nicht mehr so doll hinken - alles halb so schlimm!? - der Schmerz wird "versteckt" / Schonhaltung - Man tröstet sich als Mensch ja gerne auch mal mit einer "Wunderheilung", also erstmal doch noch abwarten? 

Nach 5 Tagen - ganz war das Hinken doch nicht weg - diagnostizierte ein weiterer Tierarzt (wir haben einige in erreichbarer Nähe) nach kurzer Untersuchung ein "loses Knie" - eine schwere PL - sofortige Operation erforderlich! Nach meiner Meinung auch eine unwahrscheinliche Diagnose. Nun beschlossen wir auch noch die nächsten 3 Tage abzuwarten, bis unser Tierarzt wieder selber in seiner Praxis anwesend war. Diagnose: Innenbandriss und durch die "Nichtbehandlung" ein erheblicher Meniskusschaden. - Folgeschaden -   Operation mit Ersatz der gerissenen Bänder und Entfernen der Meniskus"absplitterung". Das Bein wurde für 2 Tage völlig unbeweglich verbunden, dann zunehmend mit leichteren Verbänden versehen, bis nach 10 Tagen die Fäden einer reichlich 20 cm langen Wunde gezogen werden konnten. Nun hieß es 6 Wochen in ruhigem Schritt an der Leine laufen, aber ob das Bein jemals wieder richtig zu belasten sein würde…… Hier kommt nun die Physiotherapie und mein niederländischer Schwager ins Spiel. Er war Physiotherapeut für Menschen und Pferde (eine langwierige Zusatzausbildung), für uns damals eine abenteuerliche Kombination, die es aber in den Niederlanden schon länger gab. Natürlich besuchte er uns umgehend, um sich den Patienten anzusehen. Er zeigte mir Massagegriffe, die die Durchblutung anregen und die Gewebefestigung stimulieren sollten (laienhaft formuliert). Zudem sollte ich regelmäßig mehrmals am Tag mit Cita travers gehen üben, so würden Muskeln angeregt, die üblicherweise nicht so gebraucht werden. Diese könnten das geschädigte Gelenk zusätzlich stützen. Mir leuchtete das ein, aber was mein Hund da gedacht hat….. Doch Cita war eine gelehrige Hündin und machte alles mit. Insbesondere jedoch der Tipp im nahe gelegenen Laacher See oder in den Fischteichen regelmäßig ca. 15 Minuten zu schwimmen kam beim Hund wiederum besser an als bei mir. Dies alles war so gesehen ziemlich mühsam und zeitaufwändig, aber eines kann ich sagen: Cita ist bis zu ihrem Lebensende problemlos gelaufen, gesprungen und gerannt. Obwohl mir der Arzt damals sagte, das Knie würde wohl ein Schwachpunkt bleiben, hatten wir nur äußerst selten das Gefühl, dass der Hund das Bein je schonte.

 

Tierphysiotherapie - Kontakte

1. Verein für Tierphysiotherapie e.V. - Im Winkel 61 - D-32278 Kirchlengern

Tel.: 0 52 23/18 02 18     E-Mail: vftp@wosslick.de     URL: www.tierphysiotherapie.de

 

Praxis für Hundephysiotherapie - Weseler Straße 43 - 40239 Düsseldorf

Tel.: 0211 - 9336050     E-Mail: info@gangwerk.de     URL: www.gangwerk.de

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Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V.