Welpen"prägung" - spielend lernen für das ganze Hundeleben  

von Stefanie Schürmann, Birgit Ahmann und Ellen Conzelmann

(Vervielfältigungen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung der Autoren)

 

Welpen und Prägungsspieltage - Methode oder Mode?

Unsere Zuchtleitung hat sorgfältig eine Verpaarung geplant, die "beiden" fanden sich auch noch sympathisch und Hündin und Züchterfamilie haben sich 9 Wochen lang intensiv um die Welpen gekümmert.

Der zukünftige Eurasierbesitzer hat frühzeitig Kontakt aufgenommen, wurde mit allen guten Ratschlägen versorgt und weiß, dass die prägende, sensible Phase (7. bis zur 12. Woche, auslaufend bis zur 16. Woche) eine der wichtigsten Phasen im Leben der Welpen ist. Erst blind und taub geboren, setzt sich in dieser Phase eine Lernspirale in Gang, die für das gesamte Hundeleben von großer Bedeutung ist. Je mehr die Sinnesorgane reifen, umso mehr sucht der Welpe Kontakt zu seinen Geschwistern und zur Umwelt und macht damit notwendige Erfahrungen. An diesen Erfahrungen wiederum reifen Körper und Psyche. Damit sich die Welpen gut an ihre neue Familie und deren Umwelt binden, ist es wichtig, dass der Züchter die Welpen spätestens nach 10 Wochen an den neuen Besitzer übergibt. Damit darf allerdings in der Entwicklung kein Bruch entstehen und der durch die Züchterfamilie vorbereitete Pfad der richtigen Sozialisierung auf Artgenossen, Menschen und Umwelt muss weiterhin konsequent beschritten werden. Es ist daher sehr zu empfehlen, dass die neuen Besitzer gleich im Anschluss an die Übernahme ihres Welpen eine Prägungs-Spielgruppe besuchen. Diese "Früherziehungsgruppen" bieten dem Welpen Geschwisterersatz sowie die Möglichkeit im direkten Spiel mit gleichaltrigen Welpen wichtige Lernerfahrungen zu machen und zu verstärken. Und genau hier beginnt dann schon das erste Problem: Wo soll man hin?

Wir wollen im folgenden Artikel helfen, die "richtige" Welpengruppe auszuwählen und Hinweise auf die wichtigsten Trainings- und Spielinhalte zu geben.

 

Prägung - Sozialisation - Bindung

Unser ZG-Ehrenmitglied Konrad Lorenz verstand unter Prägung einen irreversiblen Lernvorgang, der nur in einem zeitlich eng begrenzten Lebensabschnitt eines Jungtieres erfolgen kann (vgl. K. Lorenz, 1935, Der Kumpan in der Umwelt des Vogels). Diese schnelle "Ein-"Prägung der Bezugsperson ist absolut (über-)lebenswichtig für Nestflüchter, die unmittelbar nach der Geburt (dem Schlüpfen) laufen und Futter suchen, damit sie bei Gefahr schnell wieder in die Obhut der Elterntiere zurückfinden können. Nesthocker dagegen können sich mit der Prägung auf ihre Umwelt etwas mehr Zeit lassen und so schreibt auch Erik Zimen, dass "die sensible Phase der Arterkennung relativ lang (ist), sie ist außerdem nicht irreversibel, zweitens zeitlich nicht strikt festgelegt auf einen bestimmten Lebenabschnitt und drittens auch nicht exklusiv, das heißt nur auf eine Art beschränkt" (E. Zimen, 1992, Der Hund, S. 254 ff). Erik Zimen bevorzugte deshalb den Begriff Sozialisation und verstand darunter den "Entwicklungsprozess, der die Art der Objekte festlegt, mit denen der Wolf oder der Hund fortan in soziale Interaktion tritt" (E. Zimen, ebenda, S. 256). Die enge soziale Beziehung, die bspw. ein Hund mit einem Menschen eingeht, nannte Zimen dagegen "Bindung".

Grundsätzlich kann demnach aus der bisherigen Verhaltensbeobachtung und -forschung gefolgert werden, dass es für unsere Hundewelpen und Junghunde von besonderer Bedeutung ist, sowohl das eigene Artbild zu erkennen und die "Sprache" der Artgenossen zu erlernen, als auch den Mensch als Sozialpartner in ihr Repertoire aufzunehmen. Besteht in diesem Lernprozess ein Defizit, haben bspw. Welpen nur unzureichend Kontakt zu Menschen (insbesondere auch zu Kindern), ergibt sich u.U. die Problematik, die viele Straßenhunde aus dem Süden zeigen: Gutes Sozialverhalten untereinander, aber Angst vor den Zweibeinern. Auch müssen die Erfahrungen, mit denen die Welpen bereits beim Züchter vertraut gemacht wurden, weiter ausgebaut und ergänzt werden. Sie müssen alles kennenlernen, was später in ihrer normalen Umwelt vorkommen wird: Autos und ihre Geräusche, Fahrräder, Staubsauger, flatternde Planen u.v.m. Sie müssen ihre körperliche Koordinationsfähigkeit üben, dürfen nicht vor unterschiedlichen Untergründen oder Hindernissen (Straßengully) zurückschrecken und sollen auch auf große, bewegliche Ungeheuer (Autos) mit der notwendigen Vorsicht und der sprichwörtlichen Gelassenheit des erwachsenen Eurasiers reagieren. "Was Hänschen nicht lernt ...".

 

Welpen Prägungsspielstunden - Welpen"Früherziehung"

Welpenprägungsspielstunden bieten sowohl dem Welpen als auch dessen Besitzer die Möglichkeit sich spielend auf das Leben in der heutigen Hundewelt vorzubereiten. Erste Lernerfahrungen im Spiel mit anderen Welpen und mit der Umwelt werden in Prägungsspielstunden angebahnt und dienen als ein erster, wichtiger Grundstein der Früherziehung. Später, etwa im Alter von 16 Wochen, baut dann eine gut ausgewählte Welpenschule auf diese Früherfahrungen auf, und es folgen dort weitere Übungen, in kleinen und welpengerechten Lektionen. So lernt ein Hund, Schritt für Schritt, mit den "mitwachsenden" Ausbildungsangeboten ein Verhalten, mit dem er später überall positiv auffällt und sich in jeder Lage zu "benehmen" weiß.

"Die ersten Tage" mit dem neuen Familienmitglied sind immer aufregend und spannend ... und vergehen wie im Fluge. Der zukünftige Welpenbesitzer sollte sich daher bereits vor der Übernahme auf die Suche nach einer geeigneten Welpenprägungsspielgruppe machen, damit er sich gleich einer solchen Gruppe anschließen kann. Die folgenden Kriterien sollen daher helfen, die richtige Spielgruppe aus der Vielzahl der Angebote herauszufinden:

  • einen Ausbilder, der vorab nicht die Zeit hat sich eingehend mit dem Interessenten zu unterhalten und dabei seine Vorgehensweise zu erklären, sollte man nicht mit einem weiteren Welpen "belasten"
  • die Welpengruppe sollte auf einem abgeschlossenen Gelände stattfinden, auf das keine Hunde mit unbekanntem Impfstatus Zutritt haben,
  • es sollte nur eine begrenzte Zahl an Welpen in die Gruppe aufgenommen werden (maximal 10) und eine ausreichende Zahl an Trainern zur Verfügung stehen. Größere Gruppen werden unübersichtlich und können die teilnehmenden Welpen stressen. Achtung: Gute Welpengruppen haben oft eine längere Voranmeldezeit!
  • die Hundewelt besteht nicht nur aus Eurasiern. Es sollte sich daher um eine gemischte Gruppe aller Rassen und Mischungen handeln. Der Welpe muss lernen, dass nicht alle Hunde so aussehen wie Mutter und Geschwister. Jede Körperform bewirkt auch Unterschiede in der Körpersprache, was der Welpe sozusagen als "Dialekt" lernen muss. Körpergrößenunterschiede und Farben müssen im Spiel durch ihn eingeordnet werden.
  • im Spiel gezeigte Verhaltensweisen werden vom kompetenten Trainer kommentiert und erläutert, um den Besitzer auf die gezeigten "Hundesprachelemente" aufmerksam zu machen und ihn zu sensibilisieren ( z.B. Calming Signals, Erkennen von Stress und Übererregung, Spielaufforderung, dominierendes Verhalten, Jagdsequenzen, Angst, Mobbing, etc.).
  • das freie Spiel der Welpen sollte immer überwacht werden. Welpen "machen eben nicht alles untereinander aus" sondern bedürfen der Kontrolle und des Einwirkens.
  • Erfahrene Hundetrainer helfen bei diesen Treffen Welpe und Besitzer gleichermaßen. Sie empfehlen Übungen, die man leicht zu Hause wiederholen kann; machen auf Verhalten aufmerksam, das man fördern oder auch unterbinden muss; und sie geben Tipps und Tricks, die den Umgang des Welpen mit Objekten üben läßt, "mit denen er fortan in soziale Interaktion tritt" (Zimen).
    Derartige Welpengruppen planen auch Pausen ein - natürlich nur für die Welpen, denn die Menschen können in diesen Ruhe-Phasen ihre Fragen und Probleme zur Sprache bringen. Idealerweise erhalten die Hundebesitzer dabei auch schriftliche Unterlagen, in denen man immer wieder einmal schmökern kann.

Wenn man dann noch bedenkt, dass es keine Hündin gibt, die ihre Welpen mit einer zusammengerollten Zeitung auf's Hinterteil klopft, den Welpen mit der Nase in ein "Pfützchen" drückt oder ihn mit Griff in das Nackenfell schüttelt, sondern ihre Kleinen mit liebevoller, konsequenter Geduld an ihr Hundeleben heranführt, dann sollte man ausreichend Kriterien zur Hand haben, um eine geeignete Welpengruppe für seinen Liebling auszuwählen.

Mit freundlicher Unterstützung von:

WelpenPrägungsSpieltage

Stefanie Schürmann

Literatur

Bloch, Günther: Der Wolf im Hundepelz
Der Familienbegleithund im modernen Hausstand
  
Narewski, Ute: Welpen brauchen Prägungsspieltage
  
Trumler, Eberhard: Das Jahr des Hundes

Mit dem Hund auf Du

  
Weidt / Berlowitz: Spielend vom Welpen zum Hund
Das Wesen des Hundes
    
Zimen, Erik: Der Hund
Der Wolf

 

Einrichtungen zunächst für Welpenprägungsspieltage, später dann Welpenschulen

Die folgenden Einrichtungen wurden uns von unseren Mitgliedern genannt, wobei die Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V. keinerlei Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der Angebote sowie der weiterleitenden Links übernehmen kann. Haftungsansprüche gegen die Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V. sind dabei grundsätzlich ausgeschlossen.

   
Die Welpenschule in Wettbergen

"fit fürs Leben" - Die Partnerschaft zwischen Hunden und Menschen

Gilda Mittag

Große Bergstraße 54

30989 Gehrden, bei Hannover

Telefon: 05108/9123-23

Fax: 05108/9123-24

   
Faires Hundetraining

- Faires Hundetraining - animal learn Hundeschule

Doris Bermich

Hofweg 5

69429 Waldbrunn

Tel.: 06274 / 92 81 34

Handy: 0160 / 6016743

   

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