Die bekannten Erbfehler des Eurasiers   

von Gisela Aach

(Vervielfältigungen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors)

 

Zuerst eine grundsätzliche Bemerkung zu Erbfehlern bei Hunden:

Es gibt keinen genetisch 100% gesunden Hund - ich behaupte in keiner Rasse! 

Phänotypisch gesunde Tiere, ja die gibt es glücklicherweise sehr zahlreich, also Tiere, die rundum gesund erscheinen. Aber die Merkmalsträger der verschiedenen Erbkrankheiten lassen sich leider nicht „äußerlich“ feststellen und die Forschung kann uns noch nicht weiterhelfen. Die Hoffnung für die Bauchspeicheldrüseninsuffizienz einen Marker zu finden hat sich leider nicht erfüllt.

Hunde sind keine Nutztiere, also ist die Erforschung der Erkrankungen nicht wirtschaftlich interessant, und die Forschung ist teuer, zumal für jede Rasse wieder neu geforscht werden muss. Hat man den Marker für eine Erkrankung beim Schäferhund gefunden, sitzt er beim Eurasier gewiss nicht am gleichen Genort. Wir brauchen also Geduld und Kenntnis traditioneller Zuchtmethoden, um gesunde Eurasier zu züchten (und dazu noch eine gute Portion Glück!).

Zur Zeit der Rassegründung stand die Gesundheit der Tiere ganz oben auf der Liste der Ziele. Allerdings sind dabei zwei Dinge zu berücksichtigen: 

1.    Wenn man mit einer sehr kleinen Population (Wolfsspitz + Chow mit ihren sicher nicht immer erkennbaren, aber sicher schon vorhandenen Fehlern) die Erzüchtung einer neuen Rasse beginnt, kann man nicht gleich die ersten Zuchttiere wegen eines eher zweitrangigen (heute vielleicht anders bewerteten) Fehlers von der Zucht ausschließen, denn dann entsteht keine neue Population. Man mußte also sehr gut abwägen zwischen der Wichtigkeit für die Zucht: typvoller Hund, gutes Wesen, Vitalität, und der Schwere des Fehlers Entropium, HD. 

2. 1963 und in den Folgejahren waren in der Rassehundezucht die heutigen Gesundheitskontrollen und Untersuchungen noch nicht üblich und teilweise technisch gar nicht machbar. Wir müssen also davon ausgehen, dass unsere Altvorderen nicht nur, wie wir heute immer wieder feststellen können, eine sehr gute Hand bei der Auswahl der Zuchttiere hatten in Bezug auf Wesen, Rassetyp, allgemeine Gesundheit, sondern unbewusst und gelegentlich auch bewusst Fehler in Kauf nahmen, die wir heute gerne zurückdrängen wollen. 

Welche Erbfehler sind uns nun vom Eurasier bekannt? Welche Fehler berücksichtigen wir bei der Zuchtplanung? 

Wir kennen und berücksichtigen beim Eurasier: 

1. Hüftgelenksdysplasie, 

2. Patellaluxation, 

3. Schilddrüsenerkrankungen, 

4. Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, 

5. Diabetes, 

6. Zahnfehler, 

7. Knickrute, 

8. Entropium, 

9. Distichiasis. 

Eine erschreckend lange Liste?!? Eher nicht, wenn man weiß, dass bei der ZG in den letzten 20 Jahren die Erkrankungen der Punkte 1-8, die Tieren Beschwerden bereiteten, je nach Krankheit im Bereich von ca. 1-3% der Jahrgänge lagen, in manchen Jahren gar nicht auftraten. Allerdings haben wir für unsere Zuchttiere auch sehr strenge Auflagen in Bezug auf Gesundheit ( auch Verhalten und Formwert). Lediglich die Distichiasis (9) macht dem Eurasier bis heute Probleme. Diese Augenerkrankung, Fehlstellung von Wimpern, wird erst seit ca.10 Jahren von den Veterinären sicher diagnostiziert (Facharztausbildung erwünscht) und konnte sich so lange Jahre unerkannt in der Rasse verbreiten. Sie ist züchterisch schwer zu bekämpfen, da Ausschluss aller betroffenen Tiere bei unserer kleinen Rasse nicht möglich ist. Zudem kann diese Erkrankung in jedem Lebensalter evident werden und wird so oft erst festgestellt, wenn ein Tier bereits in der Zucht war. Glücklicherweise ist ein sehr hoher Prozentsatz der betroffenen Tiere trotzdem beschwerdefrei. Aber hier arbeiten wir verstärkt an einer Verbesserung der Zuchtbasis. 

Um auf dem Weg zum gesunden Eurasier weiterhin erfolgreich zu bleiben, sind wir auf die Mithilfe aller Eurasierbesitzer angewiesen: Informieren Sie uns, wenn Ihr Hund eine Erkrankung hat, die genetisch bedingt sein könnte. Nur wenn wir genügend Informationen von den erzüchteten Tieren erhalten, haben wir den notwendigen Überblick über die Gesundheit unserer Rasse. Natürlich ist auch die Information: „Mein Hund ist völlig gesund“ eine Mitteilung wert, wir freuen uns darüber sehr, doch zuchtmäßig gesehen sind nun mal die Negativ-Schlagzeilen die wichtigen, da sie Konsequenzen erfordern. 

Wir hoffen auf die Mithilfe aller engagierten Eurasierbesitzer, die an einem gesunden Fortbestehen der Rasse interessiert sind!

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Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V. :     http://www.eurasier-online.de