
Grundlagen der Vererbung
von Gisela Aach
(Vervielfältigungen, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Autors)
Der kleinste Grundbaustein eines jeden Organismus ist die Zelle, deren Grundstruktur im wesentlichen immer gleich ist.
Für uns in der Zucht hat der Zellkern die wichtigste Funktion dieser Kern beinhaltet die Chromosomen, die Träger der genetischen Information. Jede einzelne Zelle trägt die gesamte genetische Information des jeweiligen Individuums auf einem Chromosomenpaar.
Durch die Befruchtung der Eizelle durch die Samenzelle und die damit verbundene Zellteilung entstehen stets neue Individuen. Dazu ein kurzer Blick auf die Chromosomen, die Zellkernfäden. Chemisch bestehen die Chromosomen aus DNS (Desoxyribonucleinsäure), aus Zucker (einer Desoxyribose) und Phosphat abwechselnd aneinandergereiht, wobei jedes Zuckermolekül noch eine Base bindet. Insgesamt 4 Basen können angebunden werden (Adenin, Thymin, Guanin, Cytosin) und diese stellen in ihrer unterschiedlichen Reihenfolge im DNS-Strang die Grundlage aller genetischen Information, also Aussehen, Charakter, Gesundheit etc.
Basentriplett
| Zucker | Phosphat | Zucker | Phosphat | Zucker |
| Base | Base | Base |
Drei Aminosäuren
| - Z - P - Z - P - Z | - Z - P - Z - P - Z | - Z - P - Z - P - Z |
| G C A | A A G | C A G |
| Alanin | Lysin | Glutamin |
Jeweils drei Basen markieren eine Aminosäure sowie deren Art und deren Reihenfolge, aus denen dann die Proteine aufgebaut werden. Die Proteine sind Träger jeder Lebensfunktion. Als Strukturproteine sind sie die Grundlage von Geweben und Organen, als Enzyme bestimmen sie den gesamten Stoffwechsel. Durch Zellteilung bildet und erneuert sich jeder Organismus. Für die Zucht ist nun die Entstehung von Eizelle und Samenzelle von besonderer Bedeutung. Diese beiden Zellenarten besitzen nicht wie alle anderen Körperzellen 2 gleiche Chromosomen, sondern nur einen DNS-Faden, der aus einer zweifachen Aufteilung der beiden vorhandenen nach dem Zufallsprinzip neu kombiniert wird. Es bilden sich keine identischen Eizellen oder Samenzellen, so ist jedes neu wachsende Leben von seinen Eltern verschieden, denn bei der Befruchtung treffen nun zwei solche zufälligen "halben Chromosomensätze" von Vater und Mutter zusammen und bilden mit ihrer genetischen Information das neue Lebewesen.
Jedes Gen (ein oder mehrere Basentripletts) hat seinen festen Platz auf dem DNS-Faden = Genlocus und auf diesem Platz einen entsprechenden Partner auf dem 2. DNS-Faden. Wenn diese beiden Gene wie eineiige Zwillinge gleich sind, spricht man von reinerbig (homozygot), sind sie verschieden wie zweieiige Zwillinge spricht man von gemischterbig (heterozygot). Reinerbige Genorte bestimmen sichtbar das Äußere (Phänotyp) z.B. langes Haar, gemischterbige Genorte sind nur dann erkennbar, wenn einer der beiden Plätze von einem dominanten Gen besetzt ist, z.B. für Kurzhaar. Ist ein Gen nicht dominant, heißt es rezessiv und wird erst dann sichtbar, wenn es einen gleichen Zwillingspartner auf seinem Genort trifft. Um nun die Zuchtarbeit nicht allzu leicht zu machen, werden die meisten Erbinformationen nicht nur von einem, sondern von mehreren Genorten bestimmt. Zudem in der Regel nicht von dominanten, sondern von sich rezessiv verhaltenden Genen, d.h. ein Merkmalsträger ist nicht von außen erkennbar.
Dies ist übrigens auch der Grund warum sich die ZG an den DNS-Forschungsprojekten in Dänemark und in der Schweiz mit großem Interesse beteiligt. Hier soll versucht werden, eine Methode zu finden, beim Eurasier die Defektgene durch eine Marker-Kennzeichnung erkennbar zu machen, benötigt werden soll dann später nur eine Speichel- oder Blutprobe. Sollten diese Projekte erfolgreich sein, ist der Nutzen für die Zucht von größter Bedeutung.
Zurück zur Genetik! Damit alles noch etwas komplizierter wird, sind viele Erkrankungen erst nach erreichen eines bestimmten Schwellenwertes erkennbar, das heißt, es muss eine bestimmte Anzahl an Defektgenen an den verschiedenen Genorten vorhanden sein, um eine Erkrankung zu manifestieren.
Wie nun entstehen überhaupt Defektgene - Krankmacher?
Sie entstehen immer durch Mutationen der Gene, d.h. durch Veränderung der Basen, damit der Proteine und ihrer Funktion. Die meisten Mutationen führen zu Enzymdefekten und bedingen mehr oder minder starke Beeinträchtigungen des Lebens. Zudem verhalten sich die mutierten Gene meist rezessiv, sie werden also nicht gleich bemerkt und oft an die Nachkommen weitergegeben. Erst wenn 2 Merkmalsträger verpaart werden, kann es zu einem reinerbig defekten Genort und damit zur Erkennbarkeit des Fehlers kommen. Somit ist auch klar, dass ein rezessiv sich vererbender Fehler nie aus einer Population "weggezüchtet" werden kann, man kann ihn nur soweit verdrängen, dass er kaum oder keine Probleme mehr für das Einzelwesen macht. Vermutlich sind alle den Eurasier betreffenden Erbfehler polygen rezessiv, sie machen also nichts als Ärger.
Zuchtgemeinschaft für Eurasier e.V. : http://www.eurasier-online.de